In der Kunsthalle Bielefeld öffnete sich am 04.04.2025 ein ganz neues Fenster in die Welt der Kunst: Die Klasse 10b des Hans-Ehrenberg-Gymnasiums präsentierte in einer feierlichen Vernissage ihre eigens kuratierte Virtuelle Kunsthalle. Entstanden ist das ambitionierte Projekt in Kooperation mit der Kunsthalle, dem Medienlabor Bielefeld sowie unter Anleitung Nadine Kleinken, die in der digitalen Museumspraxis arbeitet und der Kunstlehrerin Sarah Findeis.
Gefeiert wurde nicht nur eine Ausstellung, sondern ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie Kunst, Digitalisierung und Bildung in einem innovativen Projekt miteinander verschmelzen können. Im Rahmen des Kunstunterrichts erarbeiteten die Schüler:nnen digitale Interpretationen von neun ausgewählten Werken aus der Sammlung der Kunsthalle, darunter auch zwei Skulpturen. Ihre Visionen wurden nicht nur künstlerisch, sondern auch technisch in eigenständiger Arbeit mithilfe von Programmen wie Blender, Gimp, Sketchbook und Open Brush umgesetzt.
Die Jugendlichen tauchten dabei tief in kunsthistorische Epochen ein, setzten sich mit Raumdarstellungen, Farblehre sowie digitalen Präsentationsformen auseinander und übernahmen Verantwortung für ihr eigenes Ausstellungskonzept. Was dabei entstand, ist mehr als nur eine digitale Reproduktion: Die virtuelle Ausstellung kann mittels VR-Brille oder per 2D-Rundgang erlebt werden und lädt BesucherInnen dazu ein, Kunst auf ganz neue Weise zu durchschreiten – interaktiv, immersiv und mehrdimensional.
Auch die Schülerinnen Edda und Mia schilderten in ihrer Rede eindrucksvoll, mit wie viel Leidenschaft und Durchhaltevermögen die Klasse an ihren digitalen Werken gearbeitet hat: „Es war nicht einfach, traditionelle Kunst mit moderner Technik zu vereinen. Aber gerade das hat dieses Projekt für uns so spannend gemacht.“ Sie betonten die Bedeutung von Teamarbeit, individueller Spezialisierung und der Unterstützung durch ihre Lehrerinnen: „Viele Ideen waren anfangs nicht umsetzbar – aber gemeinsam wir haben Wege gefunden.“
Neben einem Rundgang mittels VR-Brillen in der Bibliothekt der Kunsthalle, konnten die BesucherInnen auch einen 2D-Rundgang im Vortragssaal wahrnehmen. Im Foyer erwarteten die Gäste eigens designte Plakate, während durch SchülerInnen betreute Stationen zum Ausprobieren der Programme einluden. Die Besucher:nnen konnten zudem Fragen stellen, sich mit den jungen KünstlerInnen austauschen oder sich am liebevoll vorbereiteten Buffet stärken.
Auch die Schulleiterin der Hans-Ehrenberg-Schule Patricia Drewes zeigte sich tief beeindruckt: „Diese Ausstellung ist das Ergebnis eines Projekts, in dem unsere SchülerInnen zentrale Zukunftskompetenzen wie Kommunikation, Kollaboration, Kreativität und kritisches Denken auf beeindruckende Weise unter Beweis gestellt haben.“ In Anlehnung an den Digitalkünstler JD Jarvis hob sie hervor, dass digitale Kunst nicht das Ende analoger Kunst sei – sondern deren Erweiterung.
Das Projekt zeigt eindrucksvoll, wie zeitgemäßer Kunstunterricht aussehen kann: interdisziplinär, partizipativ und zukunftsorientiert. Dass SchülerInnen zu aktiven GestalterInnen werden – als KünstlerInnen, KuratorInnen und ErzählerInnen – ist dabei nicht nur ein pädagogischer Erfolg, sondern auch ein künstlerisches Statement. Die virtuelle Ausstellung bleibt auch über die Vernissage hinaus online auf der Website der Kunsthalle Bielefeld zugänglich und wird künftig in weiteren Bildungskontexten eingesetzt – ein nachhaltiges Projekt mit Strahlkraft über den Unterricht hinaus.
Kunstunterricht war gestern. Heute ist virtuelle Zukunft.
Sarah Findeis

