Das Foto zeigt die HES vom Ehrenplatz aus

Das Förderkonzept an der HES

Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung zu begleiten und jedem Einzelnen die Entfaltung angemessener fachlicher, methodischer, sozialer und emotionaler Kompetenzen zu ermöglichen, ist das Ziel einer jeden guten Schule.

Dass es zum Erreichen dieses Ziels notwendig ist, den Blick auf den einzelnen Schüler/ die einzelne Schülerin zu richten, seine/ihre individuellen Fähigkeiten zu erfassen und darauf aufbauend Lernprozesse anzustoßen, ist eine Selbstverständlichkeit, die von der Landesregierung in NRW durch die Offensive „individuelle Förderung - kein Kind darf zurückbleiben“ erneut ins Bewusstsein der pädagogischen Diskussion gerückt worden ist. Diese Offensive wurde ebenso wie andere Umsteuerungsmaßnahmen aufgrund der erschreckenden PISA-Ergebnisse notwendig. Insbesondere die in den Untersuchungen aufgezeigten Lücken im Bildungserfolg sozialer Randgruppen und in der Herausbildung einer Bildungsspitze stehen im Mittelpunkt der Anstrengungen, die die Landesregierung von Lehrerfortbildungen einerseits und von Förderkonzepten in den einzelnen Schulen andererseits erwartet.

In evangelischen Schulen hat der Blick auf die Möglichkeiten des einzelnen Kindes und Jugendlichen eine besondere Tradition. Jeder Mensch ist gemäß des christlichen Menschenbildes ein einmaliges Geschöpf Gottes und hat daher seinen eigenen Wert und seine eigene Würde. Das christliche Menschenbild ist insofern ein individuelles Menschenbild. Daher ist die Unterstützung der Förderungskampagne der Landesregierung und ihre Erweiterung auf alle Kinder und Jugendlichen durch die Bildungseinrichtungen der evangelische Kirche naheliegend.

In dem hier formulierten Förderkonzept der Hans-Ehrenberg- Schule stellen wir im ersten Teil unser Verständnis von individueller Förderung dar. Dabei zeigen wir, wie auch in einem großen System von über 1000 Personen individuelle Unterstützung ermöglicht werden kann. Dabei wird auch diskutiert, welches die Voraussetzungen und die Bedingungen der Förderung sind.

Im zweiten Teil berichten wir über unsere Anstrengungen in der Vergangenheit wie auch Gegenwart, die zur Förderung Einzelner beitragen.

Den Abschluss bildet ein Ausblick auf ergänzende Vorhaben, die helfen sollen, die individuelle Förderung noch weiter ausbauen.

Begabungsföderung an der HES

Überspringen einer Jahrgangsstufe

Grundsätzlich ermuntert die HES besonders begabte Schüler*innen der Sekundarstufe I zur Vorversetzung in die nächst höhere Jahrgangsstufe (sowohl zum Schuljahresende wie auch zum Halbjahr möglich) und bietet in diesem Fall spezielle, auf die Bedürfnisse der Schüler*innen zugeschnittene Unterstützungsangebote an. Die Schüler*innen sowie ihre Eltern werden zu Beginn des Schuljahres auf Klassenpflegschaftssitzungen über die Möglichkeit einer Vorversetzung informiert; häufiger geschieht dieses allerdings in persönlichen Gesprächen mit den in Frage kommenden Schüler*innen und ihren Eltern. Dem vorausgegangen sind entweder Überlegungen/Anregungen bezüglich geeigneter Kandidat*innen in Zeugniskonferenzen oder direkte Anfragen von Eltern bzw. Schüler*innen. Die Entscheidung darüber, ob man es von schulischer Seite einer Schülerin bzw. einem Schüler nahe legen sollte, eine Jahrgangsstufe zu überspringen, kann bei grundsätzlicher Offenheit für diese Möglichkeit sicher jeweils nur eine sehr individuelle sein, die die gesamten bisher erbrachten Leistungen und gezeigten Kompetenzen ebenso berücksichtigt wie die persönliche Gesamtentwicklung der SuS bis zum gegebenen Zeitpunkt.

Paralleles Erlernen zweier Fremdsprachen

Als weitere Möglichkeiten der Begabtenförderung haben wir an unserer Schule das sogenannte „Drehtürmodell“ eingerichtet, d.h. die parallele Belegung der beiden im 6. Jahrgang neu einsetzenden Fremdsprachen. Dazu erfahren Sie Näheres weiter unten.

Weitere Formen der Begabungsförderung

Mit der Teilnahme an Begabung herausfordernden Arbeitsgemeinschaften (z.B. Debating, Natur- und Gesellschaftsforscher, Coaching the Coaches, Sporthelfer) und individuellen Projekten, der Teilnahme von Mittelstufenschüler*innen an ausgewähltem Oberstufenunterricht oder Seminaren in der Universität und mit Auslandsaufenthalten im Jahrgang10 bzw. im ersten Halbjahr der Einführungsphase (Jahrgang EF) gibt es weitere Angebote individueller Begabungsförderung an unserer Schule.

Das Drehtürmodell

Begabungsförderung durch paralleles Erlernen von Französisch und Latein

Seit dem Schuljahr 2001/02 haben Schüler*innen mit einer besonderen sprachlichen Begabung die Möglichkeit, in der Sekundarstufe I die Sprachen Französisch und Latein gleichzeitig zu erlernen.

Die „Doppellerner*innen“ nehmen abwechselnd an den Unterrichtsstunden beider Fächer teil und arbeiten den verpassten Stoff selbstständig nach. Sie erhalten keinen zusätzlichen Förderunterricht, die Fachlehrer*innen beraten sie nach Bedarf. 

Grundlegende Verfahrensregeln:

Voraussetzungen

  • besondere sprachliche Begabung
  • deutliche Situation der Unterforderung
  • ausgeprägte Motivation zum selbstständigen Lernen
  • gründliche Beratung von Eltern und Kind

 

Organisationsmodell

  • abwechselnde Teilnahme am Latein- und Französischunterricht, in der Regel in jeweils zwei aufeinander folgenden Stunden
  • selbstständiges Nacharbeiten der jeweils versäumten Unterrichtsinhalte
  • Zusammenarbeit mit zuverlässigen Lernpartnern aus beiden Sprachengruppen (zwei Doppellerner können auch ein „Tandem“ bilden)
  • sinnvolle Abstimmung der Klassenarbeitstermine beider Fächer
  • Beratung durch Fachlehrer*in, Klassenlehrer*in, Fremdsprachenkoordinatorin nach Bedarf
  • Möglichkeit zum Abbruch des Versuchs bei Problemen, um dann nur eine Sprache weiter zu lernen.

Die Erfahrungen mit diesem Konzept sind erfreulich, insbesondere wenn sich erfolgreiche „Lernerteams“ gebildet haben, die sich gegenseitig zuverlässig über den verpassten Stoff informieren. Viele der teilnehmenden Schüler*innen haben bereits beide Sprachen bis zum Ende der Sekundarstufe I erfolgreich gelernt.