Schulpartnerschaft mit Talitha Kumi

1. Unser Projekt

In letzten beiden Jahren hat bereits ein Schüleraustausch zwischen der Hans Ehrenberg-Schule und der Schule Talitha Kumi in Beit Jala stattgefunden. Träger dieser Schule ist das Berliner Missionswerk. Sie liegt in der West Bank, 10 km südlich von Jerusalem und 3 km westlich von Bethlehem. Talitha Kumi hat ca. 700 Schülerinnen und Schüler, die Hälfte davon sind Jungen. Zwei Drittel der Schüler sind Christen, ein Drittel Muslime. Talitha Kumi gehört seit 2008 zu dem Kreis der deutschen Auslandsschulen und hat ab Klasse 7 einen deutschen Zweig.

Wir wollen diesen Austausch nun fortführen und weiterentwickeln. Deshalb haben wir für den Juni 2014 elf Schülerinnen und Schüler des 10. Jahrgangs aus Beit Jala für ca. 2 Wochen eingeladen. Wir haben bereits genügend Gastfamilien gefunden, so dass sie in den Familien ihrer Gastschüler wohnen und leben können. Außerdem werden sie  am Schulleben der Hans-Ehrenberg-Schule teilnehmen und mit den gastgebenden Schülern gemeinsame Aktivitäten und Exkursionen unternehmen.

Im folgenden Jahr (März 2015) ist ein Gegenbesuch der gastgebenden Schüler in Palästina geplant. Sie wohnen in den Familien ihrer Austauschschüler, nehmen am dortigen Schulleben teil und unternehmen ein Exkursionsprogramm in Palästina und Israel.

2. Unsere Ziele

Unsere Schüler begegnen in den Tagen in Palästina den Wurzeln ihres christlichen Glaubens und können so in ihrer evangelisch-christlichen Identität gestärkt werden. Sie haben dabei die Chance Lebensverhältnisse kennenzulernen, die ganz anders sind als die ihnen bekannten, historisch-politische Zusammenhänge des Konflikts –zumindest in Ansätzen- zu begreifen und Kontakte zu Gleichaltrigen in dieser Region zu knüpfen.

Unsere Gastschüler erleben ebenfalls ganz andere Lebensverhältnisse als die ihnen bekannten. Dabei setzen sie sich mit der deutschen Sprache und der deutschen Kultur auseinander, sammeln Erfahrungen und knüpfen Kontakte, die für ihre spätere Lebens- und Ausbildungsplanung bedeutsam werden können.

Die Hans Ehrenberg-Schule leistet durch die Schulpartnerschaft einen wichtigen Beitrag zur interkulturellen Erziehung und praktiziert Solidarität mit den vielfach bedrängten evangelischen Christen in Palästina.

Grundsätzlich ermöglicht der angestrebte Schüleraustausch viele ökumenische und entwicklungspolitische Lernerfahrungen.

Durch die Unterbringung in den Gastfamilien werden die palästinensischen Schüler viel Neues entdecken. Durch das gemeinsame Leben, Arbeiten, Essen und Feiern begegnen sie der deutschen Alltagskultur in vielen Facetten. Gerade für die relativ jungen Schüler liegt hier unserer Ansicht nach ein geeigneter Schwerpunkt der Begegnungsmaßnahme. Daher werden viele Aspekte, die für die Zukunft junger Palästinenser wichtig sind, im Programm berücksichtigt. Neben den alltäglichen Erfahrungen im Schulunterricht der HES wird eine Besuch der Bielefelder Universität durchgeführt werden, da viele Schüler von Talitha Kumi mit guten Deutschkenntnissen den Wunsch äußern, später an einer deutschen Universität zu studieren.

Darüber hinaus ist uns der interreligiöse Dialog wichtig. Die evangelische Schule Talitha Kumi besuchen christliche und muslimische Schülerinnen und Schüler. Im pädagogischen Konzept der Schule ist die Bedeutung des interreligiösen Dialogs (z.B. im Religionsunterricht) verankert. In der evangelischen HES ist die ökumenische Zusammenarbeit zwischen den Konfessionen ebenfalls im Schulprogramm festgeschrieben.

3. Vor- und Nachbereitung der Begegnung

Die Schüler der Hans Ehrenberg-Schule werden in einem Lernstudio auf den Austausch vorbereitet. Die Lernstudiokonzeption der Hans Ehrenberg-Schule folgt der Idee, dass die Schüler in selbst gewählten Projektkursen in besonderer Weise individuell gefördert werden. Wir werden in dem Lernstudio „Talitha Kumi“ mit den Schülern fächerübergreifend historisch-politische, theologische und geographische Hintergründe des Austauschlandes erarbeiten. Außerdem werden wir versuchen, die Schüler auch emotional auf die Situation in der Westbank vorzubereiten.

Die elf Schüler aus Talitha Kumi lernen in ihrer Schule auch die deutsche Sprache. Da Sprache immer auch der Träger einer bestimmten Kultur ist, werden durch den Spracherwerb auch viele Aspekte einer deutsch – europäischen Kultur vermittelt. Die jungen Schüler aus Talitha Kumi werden wohl zum ersten Mal in Deutschland sein, dem Land, dessen Sprache sie bereits seit einigen Jahren lernen.

Im Anschluss an den Besuch der palästinensischen Gruppe werden unserer Schüler weiterhin in unregelmäßigen Abständen in dem Lernstudio zusammenkommen, um den Besuch nachzubereiten und vor allem um die geplante Reise nach Palästina vorzubereiten.

Im Anhang finden Sie einen Artikel aus der HES Elterninformation (Mai 2013), in welchem der erste Besuch der Schülerinnen und Schüler unserer Schule in Palästina aus der Perspektive eines der Teilnehmer, Luka Vogt, festgehalten ist.

Informationen über die Schule finden Sie im Internet unter http://talitha.berliner-missionswerk.de/index.php.